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The scenic and architectural objects visualize imaginary space in compressed form.
Large is made smaller to the extreme. The scale and dimension of the environment transform so that small grows. As a result of the extreme shift of dimensions and smallest details, these panoramas of colour can only be experienced in the spatial study of the original.
The objects unite the principles of painting and sculpture so that colour does not only show form; it becomes form, creating a unit from surface and depth.

Painting is equal to sculpture.
Sculpture is equal to painting.

Originally amorphous material stands no longer in the service of illustration but becomes the actor.
Colours and spaces develop through destruction and construction in combination of materials - like wood, metal, synthetic resin and canvas.
Manipulated pieces and found remains extend and complete the idea of mental architecture.
In order to stay within the classical origin of painting, these fragile single components are connected with colour and canvas. Repeating pictorial elements and colouration of an imitative kind request visual research of a concrete thought as they develop into a narrative language.

Evolving space settles to a full stop and reveals itself as a fixed image in colour.

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Komprimiert visualisieren fragmentale landschaftliche und architektonische Objekte die in ihrer Dimension nicht fassbare Form gedanklicher Architektur.

Bühnenbildartige Farbszenerien ambivalenter Atmosphäre bauen eine erzählerische Bildsprache auf und verknüpfen in Material und Dimension variable Einzelobjekte miteinander.

Aus dem Wechselspiel der Destruktion und Kombination von Materialien wie Holz, Metall, Kunstharz und Leinwand entstehen modellhafte Farbräume, die in sich die Prinzipien von Malerei, Plastik und Skulptur vereinen.

Formen ist gleich Malen, Malen gleich Formen.
Farbe dient nicht nur der Kolorierung sondern wird zum Darsteller ihrer selbst.

Manipulierte Fundstücke aus Restmaterialien bilden Assoziationsketten, welche Ausgangspunkt zur Erweiterung und Komplettierung von Bildideen sind. Diese sind dabei gleichzeitig und gleichwertig Träger und Form.

Gedachter Raum kommt als Standbild in Farbe zur Ruhe.




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Einen wichtigen, extrem zeitgenössischen Umgang mit Fragestellungen, die zum ersten Mal die Romantik aufgeworfen hat, sehe ich in Nicole Janas verblüffendem Umgang mit Leere, mit dem Abwesenden generell. Dies zeigt sich in der Konstruktion und der emotionalen Stimmung, die in den Werken eingefangen wird. Ein romantisches Element wird befördert durch den Umgang mit Farbe, Licht, Spiegelungen, generell mit optischen Atmosphären.


Es ist jedoch nicht das, was man gemeinhin mit ‚romantisch’ apostrophiert, sondern es sind eher die tieferen zivilisatorischen Konflikte, das gebrochene Verhältnis zwischen Natur und Kultur, das die Romantik erstmals thematisiert hat. In Nicole Janas Arbeiten zeigt sich dies in Momenten des Chaotischen, des punkigen Trash, des Schönen und zugleich Beunruhigenden, was in ihren Malereien und Skulpturen zum Vorschein kommt. Momente des Formlosen treffen mit aufmerksamer Genauigkeit des so Geformten zusammen, verdichtet und konzentriert. Aufgrund ihrer Intensität wirken selbst kleinste Skulpturen weit über ihre physische Größe hinaus, gewinnen in der Vorstellung eine neue Dimension.

Souverän verarbeitet Nicole Jana minimalistische und körperzentrierte Traditionen, beispielsweise Richard Serra, aber auch Bruce Nauman oder Louise Bourgeois, und schließlich, nicht zu vergessen, Momente der Beuys’schen Natur-Romantik. Es ist jedoch keinesfalls eine Verarbeitung, die in ein eklektisches Sampling oder ein vertrauensvoll unbedarftes Weiterführen mündet. Im Gegenteil, ihre Arbeitsweise ist eher Paul Thek verwandt, der in seiner Auseinandersetzung mit Künstlerkollegen fremde Erfahrungen in den eigenen Werken pointiert auf den Kopf stellt, verrätselt oder ihnen verstörende Wendungen gibt –im übrigen ein Künstler mit ebenfalls einer ausgeprägt romantisch-kritischen Ader. Eine solche künstlerische Haltung verlangt eine enorme Dickköpfigkeit, Eigensinn und Unabhängigkeit. Nicole Jana gelingt es in ihrem künstlerischen Bezug zu etablierten Positionen einen zeitgenössischen Vektor zu brisanten Aspekten unseres Naturverhältnisses zu legen, gerade durch den ungewöhnlichen Umgang mit Werkformen und ästhetischen Mitteln der Realisation. ‚Natur’, der Körper, die Dimension des Gefühls lassen sich nicht mehr gleichsam unschuldig beschwören, sondern müssen in Parenthese evoziert werden, durch das Dickicht einer seltsamen Verschmelzung von metaphysisch-transzendenten Momenten und dem gesellschaftlichen Debris von Naturverarbeitung. Faszination und Abscheu haben eine historisch kenntliche Basis und bilden ein enormes Spannungsverhältnis, werden so konfiguriert, dass ein Auseinanderfallen in einerseits melancholische Destruktionssucht und andererseits idealisierende Überhöhung durch die spezifische Konzentriertheit jedes einzelnen Werks vermieden wird.

Diese Insistenz auf ein Aushalten der Spannung, eine widerständige Energie also, zeigt sich auch in den Titeln für ihre Arbeiten. Manche beschreiben einfach Arbeitsverfahren, andere jedoch sind luzide poetische Einfälle.

Man muss Nicole Janas Objekte körperlich direkt vor Augen haben, Abbildungen können den intensiven Eindruck kaum wiedergeben.’’



Dr. Ursula Panhans-Bühler



Atelieransicht / studio view | Berlin